Recherche in Malchow

 

Harrys Großeltern Hedwig und Richard Schlomann zogen im Mai 1938 nach Rostock und suchten – mit ihrem Enkel – Schutz in der Anonymität der Großstadt. Ihr Sohn Norbert war aus Rostock bereits 1937 nach Palästina geflüchtet. Ihm war es gelungen, als Schiffssteward anzuheuern und so nach Palästina zu fliehen. Seine Eltern wollte er später nachholen. Vor ihrem Umzug hatten die Großeltern – Hedwig und Richard Schlomann – in Malchow gelebt.

Stadtarchivar Dieter Kurth und Barbro Wilcke im Malchower Rathaus Stadtarchivar Dieter Kurth und Barbro Wilcke im Malchower Rathaus

Vor Ort in Malchow unterstützte Stadtarchivar Dieter Kurth die Schülerin Barbro Wilcke bei der Spurensuche. Begleitet wurde sie durch ihre Geschichtslehrerin, Dr. Beate Behrens.

 

In Malchow lebten Richard und Hedwig Schlomann mit ihren drei Kindern Sophie, Lisel und Norbert in der Langen Straße 43. Richard Schlomann arbeitete als Händler für Kleidung und landwirtschaftlichen Bedarf, der seine Ware auch selbst mit dem Fahrrad zu seinen Kund*innen in der Stadt und auf den Dörfern lieferte.

 

Das von dem Ehepaar Schlomann 1919 gekaufte Wohnhaus wurde 1934 zwangsversteigert.

Was blieb

Baulücke nach Abriss des Familien- und Geschäftshauses in Malchow Baulücke am früheren Wohnort der Schlomanns

In der Kleinstadt Malchow erinnert nicht mehr viel an ehemalige jüdische Bewohner*innen. Das Wohn- und Geschäftshaus Lange Straße 43, in dem Familie Schlomann lebte, wurde nach langem Leerstand im Jahre 2013 abgerissen.

Besuch in Tel Aviv

Denkstein Harry Schlomann (Foto: By N3MO [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons) Weiter zum nächsten Raum

Barbro stolpert über den Stein für Betty Jacobson in Malchow

In Malchow erinnert ein Stolperstein des Künstlers Gunter Demnig an die 1867 geborene Betty Jacobson, die 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde. An Hedwig und Richard Schlomann erinnern seit November 2017 Denksteine in der Rostocker Kröpeliner Straße 98.

Barbro Wilcke vor den Gräbern von Harry's Ururgroßeltern Schlomann auf dem Malchower Jüdischen Friedhof

Der Malchower jüdische Friedhof wurde 1938 von SA-Männern verwüstet. Der Grabstein von Harrys Vorfahren Hermann Schlomann (1939–1913) ist einer der wenigen erhaltenen Überreste.