Die Novemberrevolution in Mecklenburg und Pommern: Der Weg zum 14.11.1918

Saal des Rathauses Sternberg - Tagungsstätte des ständischen Landtags, Fotograf unbekannt Quelle: Heimatmuseum der Stadt Sternberg Tagungsstätte des ständischen Landtags im Sternberger Rat
Der letzte Landtag fand 1917 in Sternberg statt.
Fotograf unbekannt, Quelle: Heimatmuseum der Stadt Sternberg

In den Jahren vor der Revolution waren die beiden Großherzögtümer Mecklenburg-Schwerin und -Strelitz bereits fest in die Politik und Wirtschaft des Deutschen Reiches eingebunden. Mecklenburgische Regimenter kämpften als Teil der preußischen Armee im Ersten Weltkrieg. Viele Mecklenburger dienten auch in der kaiserlichen Marine.

Mit Blick auf seine eigene Innenpolitik war Mecklenburg rückständig: Nirgendwo sonst im Deutschen Reich gab es noch eine ständische Verfassung. Mehrere Versuche eine konstitutionelle Monarchie zu schaffen, waren bis 1918 gescheitert. Nun wurden am 3. Dezember 1918 die Stände als Körperschaften öffentlichen Rechts in Mecklenburg-Schwerin aufgehoben, kurz darauf auch in Strelitz.

Der Krieg beeinflusste die Wirtschaft in Mecklenburg überwiegend negativ. Der Handel brach ein, Schiffe wurden in Häfen der Kriegsgegner beschlagnahmt, im Inland wurden Pferde und andere Dinge requiriert. Korn, Vieh und Futter musste an die Militärverwaltung geliefert werden. Aufschwung nahmen dagegen Betriebe, die Rüstungsgüter produzierten. Je länger der Krieg dauerte, umso mehr fehlte es an Nahrungsmittel und vielen alltäglichen Dingen. Schon 1917 und Anfang 1918 gab es Unruhen und Streiks.

Der Großherzog und seine Familie führten davon unbeeindruckt fast ihr gewohntes Leben. Das Foto zeigt den Großherzog Friedrich Franz IV. mit seiner Frau Alexandra, seinen beiden Söhnen und den Schwiegerelten, dem Herzog und der Herzogin von Cumberland. Es belegt am Beispiel Mecklenburgs, wie eng die europäischen Adelshäuser miteinander verbunden waren. Der Herzog von Cumberland war ein entfernter Cousin des englischen Königs. Er stand aber im Krieg auf deutscher Seite und verlor den englischen Titel erst 1919.


Demonstrationen in Wismar, Rostock und anderen Orten

Nach der Meuterei in Wilhelmshafen und dem Aufstand der Arbeiter und Matrosen in Kiel war es nur ein kurzer Weg nach Mecklenburg. So trafen die Nachrichten und Forderungen aus Kiel am 7. November per Schiff in Wismar ein. Am 8. November zogen Wismarer Arbeiter und Matrosen durch die Stadt zum Marktplatz.  Mitglieder des Wismarer Arbeiter- und Soldatenrates hielten auf dem Balkon des Rathauses eine Rede. Zuvor hatte der Wismarer Rat erklärt, mit dem Arbeiter- und Soldatenrat zu kooperieren.

Aufruf zur Demonstation am 10. November in Rostock (aus der Mecklenburgischen Volkszeitung vom 10.11.1918 Quelle: Stadtarchiv Schwerin) Aufruf zur Demonstration am 10. November in Rostock
(Quelle: Stadtarchiv Schwerin)

In den kommenden Tagen fanden auch in anderen Städten Mecklenburgs und Pommerns Demonstrationen statt. Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus der Mecklenburgischen Volkszeitung, dem "Organ der Sozialdemokratischen Partei für beide Mecklenburg" vom 10. November 1918.

Der als Referent angekündigte "F[ranz]. Starosson" war auch Minister der Übergangsregierung, die auf Druck der Demonstrationen am 8.11. gebildet worden war. Später ist er auch einer der Mit-Unterzeichner der Abdankungsurkunde des Großherzogs.

Raum 3: Arbeiter- und Soldatenräte übernehmen die Kontrolle

Sondausstellung Novemberrevolution: Großherzog Friedrich Franz IV. und Arbeiter- und Soldatenrat Wismar Hier geht's zum nächsten Raum:
Arbeiter- und Soldatenräte übernehmen die Kontrolle

Großherzog Friedrich Franz VI. in Uniform

Friedrich Franz IV in Uniform (1914) - Quelle: Stadtarchiv Schwerin

Friedrich Franz IV., Foto aus dem ersten Kriegsjahr. Nach dem (mutmaßlichen) Suizid von Adolf Friedrich VI. von Mecklenburg-Strelitz übernahm der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin am 27. Februar 1918 auch im kleineren mecklenburgischen Staat die Regierung.

Quelle: Stadtarchiv Schwerin