Mecklenburger Aquarelle – Unterwegs mit Helga Kaffke (1934 – 2017)

 
 

Die Malerin und Grafikerin Helga Kaffke stammt aus Leipzig. Nach dem Besuch der Volksschule ließ sie sich hier ab 1949 zur Fotolithografin ausbilden. Fünf Jahre lang war sie in diesem Beruf tätig.

Ab 1954 studierte sie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, u. a. bei Werner Tübke und Gerhard Kurt Müller. Müller hatte im selben Jahr die Berufung zum Leiter der Klasse für Freie Grafik und Illustration erhalten. Er begann in dieser Zeit mit Arbeiten an Holzstichen.

Daraus erwachsener Einfluss ist an den drucktechnischen Werken von Helga Kaffke abzulesen. Möglicherweise geht auch Kaffkes Wertschätzung der Aquarelltechnik auf Kurt Müller zurück.

Nach dem Abschluss ihres Studiums 1959 blieb Helga Müller noch 20 Jahre in Leipzig. Als freie Künstlerin war sie Mitglied im Verband Bildender Künstler der DDR.

In ihrer neuen Wahlheimat Schwerin entstand ab 1979 eine Fülle von Landschaften und Ortsansichten. Helga Kaffkes Affinität zur Aquarelltechnik ermöglichte ihr ein unkompliziertes Arbeiten im Freien. Auf zumeist kleinem Format entwickelte Helga Kaffke Bildräume im Spannungsfeld von Beengtheit und Weite.

Landschaften und Ortsansichten »

Neben gebrauchsgrafischen und freien Arbeiten war Helga Kaffke eine hervorragende Porträtistin. In diesem Sujet arbeitete sie mit überaus prägnantem, zuweilen fast hartem, raschem Strich, bevorzugt offenbar mit Pastellkreiden.

Schonungslos ehrlich verfuhr Helga Kaffke auch beim Blick in den Spiegel. Ihre Selbstbildnisse zeigen sie in unterschiedlichen Gefühlslagen: mal selbstbewusst, fast abweisend, mal mit Humor, mal nachdenklich.

Besonders hervorzuheben sind hier Porträtzeichnungen, die sie von Insassen des Jugendwerkhofs Rühn angefertigt hat.

Portäts aus dem Jugendwerkhof Rühn »

Insgesamt verfügte Helga Kaffke über sehr vielfältige technische Möglickeiten. Sie schuf Radierungen, Zeichnungen, Linolschnitte und Malerei.

Eine bemerkenswerte Ausnahme in ihrem Gesamtwerk ist eine große Wandgestaltung, geschaffen für ein Ferienheim in Schwerin-Zippendorf. Das farbige Mosaik vereinte märchenhafte und topografische Elemente zu einer ornamentalen Komposition. Unverständlicherweise wurde das Kunstwerk beim Umbau des Ferienheims zerstört.

Bis 1993 lebte Helga Kaffke in Schwerin. Regelmäßig nahm sie an den Schweriner Bezirkskunstausstellungen teil und war Dozentin an der Bezirkskulturakademie Schwerin. Im Jahre 1987 nahm sie an der X. Kunstausstellung der DDR in Dresden teil. Reisen führten sie nach Bulgarien, Polen, Rumänien und Ungarn. Im In- und Ausland unterhielt sie eine rege Ausstellungstätigkeit. Das Staatliche Museum Schwerin richtete für sie 1984 eine Personalausstellung aus.

Helga Kaffke ließ sich nicht einschränken. Die Vielfalt an künstlerischen Möglichkeiten, die ihr zur Verfügung stand, korrespondierte mit ihren Lebensumständen. Nach dem Tod ihres Ehemannes, mit dem sie drei Kinder hatte, ging sie mit der Autorin Gabriele Berthel eine Lebensgemeinschaft ein, die künstlerisch wie biografisch für beide fruchtbar war.

Gabriele Berthel schuf zu Arbeiten von Helga Kaffke zahlreiche Texte, die heute zugleich als oft einzige Quelle gelesen werden können. Umgekehrt schuf Helga Kaffke Illustrationen zu den Texten der Lebensgefährtin. Gemeinsam gaben beide eine Reihe von Veröffentlichungen und Kalendern heraus.

Einschränken lassen wollten sich beide auch im Hinblick auf ihren geografischen Horizont nicht. Nach dem Fall der innerdeutschen Grenze brachen sie auf und wählten 1993 in der Normandie ihren Wohnsitz. Daneben suchten sie seit 1995 mehrfach Irland auf. 2003 verlegten sie ihren Wohnsitz ins westirische Ballycroy. Dort starb Helga Kaffke im Jahre 2017.

Landschaften und Ortsansichten

helga-kaffke-rapsbluete-infobox 2 Zu den Aquarellen

Porträts aus dem Jugendwerkhof Rühn

Helga Kaffke Jugendwerkhof Rühn o.j. Porträts ansehen

Impressum

Infobox-Grafik transparant

Eine Ausstellung der Stiftung Mecklenburg und der Gallery Berger, Schwerin

 

Texte und Bilder:

Brit Bellmann M.A., Harald Berger, Gabriele Berthel

 

Redaktion und Umsetzung:

Mathias Richter

 

Bildrechte:

Stiftung Mecklenburg Schwerin

Harald Berger, Schwerin

Gabriele Berthel, Ballycroy

Zahlreiche der ausgestellten Werke wurden im Rahmen des Projekts „Queer im Museum“ erworben. Das Projekt wird gefördert im Fonds Stadtgefährten der
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Plakat_Queer_im_Museum