Karaffe mit Stöpsel – Geschenk der Kaiserin Augusta

Aufschrift: Geschenk I. M. Kaiserin Augusta an den Frauenverein Kr. Grimmen, Glasmanufaktur Fritz W. Heckert in Petersdorf/Schlesien,
Glas, geschliffen, graviert, Email-und Goldmalerei,
Dekor: Jodphur, circa 1885, Höhe: 22 cm

Die kunstvoll mit Emailfarben bemalte und geschliffene Karaffe ist ein Produkt aus der schlesischen Glasmanufaktur Fritz Heckert in Petersdorf. Die Verzierungsart heißt Jodphur.

Sie stammt aus dem Besitz des Malers Max von Rüdiger von der Lage (Potsdam). Nach Auflösung des Haushalts durch dessen Erben kommt sie nach Berlin zum Antiquar, von da in das Museum Grimmen.

Die Karaffe trägt neben einigen Narben eine extra gefertigte silberfarbene Banderole am Stöpsel mit der Aufschrift: "Geschenk I[hrer] M[ajestät] Kaiserin Augusta an den Frauenverein Kr. Grimmen".

Die preußische Königin und spätere Kaiserin Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach (1811 – 1890), Ehefrau Kaiser Wilhelms I., hat 1866 den Vaterländischen Frauenverein gegründet. Er kümmert sich u.a. um verwundete und erkrankte Soldaten. Ein Netz von Zweig-Vereinen entsteht. Der Kreis-Zweigverein Grimmen konstituiert sich am 3. Oktober 1884 im renommierten "Hotel Homeyer" und hat zu dem Zeitpunkt bereits 108 Mitglieder.

Am 16. Dezember nimmt Augusta den Zweigverein in den Dachverband auf. Sie schickt ein selbstunterzeichnetes Diplom in die Stadt, das fortan gerahmt im Vereinslokal an der Wand hängt. Vorstandsvorsitzende wird Gräfin Thoma Wachtmeister auf Bassendorf.

Die erste Vorstandssitzung beschließt, "die ganze Thätigkeit des Vereins in erster Linie auf schleunigste Beschaffung je einer Gemeinde-Diakonissin für die Städte Grimmen und Loitz zu richten." Andere Aktivitäten bestehen u.a. in der Ausrichtung von Wohltätigkeits-Konzerten oder Theater-Vorstellungen und der Organisation von Versteigerungsbasaren. Hierfür stiftet die Kaiserin regelmäßig Geschenke, so vermutlich auch diese Glaskaraffe (1885).

Nach ihrem Tod 1890 übernimmt Auguste Victoria (1858 – 1921), die Frau von Augustas Enkel, dem späteren Kaiser Wilhelm II., das Protektorat.

Auch von ihr kann die Glasflasche gespendet worden sein. 2013 kann das Museum die Flasche antiquarisch erwerben.

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Text: S. F.

Das Exponat bezieht sich auf:

Vorpommern bis 1945

Das Originalexponat finden Sie hier:

Museum Im Mühlentor Grimmen

Museum Im Mühlentor Grimmen

Mühlenstraße 9a
18507 Grimmen


museum@grimmen.de

www.grimmen.de