Ernst Barlach: Der Zweifler

Ernst Barlach (1870–1938), Der Zweifler, 1937, Holz (Teak), Höhe: 107,5 cm

Obwohl bereits gesundheitlich stark angegriffenen, formt Barlach 1937 in seinem vorletzten Lebensjahr noch fünf Holzskulpturen. Sein Zweifler greift eine Plastik von 1930 auf, die er damals in mehreren Zeichnungen vorbereitete. Thematisiert Barlach in der ersten Fassung zeitlos den zweifelnden Menschen, so bezieht er den Zweifel nun auf sich selbst. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 verstärken sich die Angriffe auf Barlach als Mensch und Künstler, die national-reaktionäre Kreise bei der Errichtung seiner Kriegerehrenmale in der Weimarer Republik begannen. Sein Wanderer im Wind von 1934 zeigt autobiographische Gesichtszüge und den unbeugsamen Willen eines gegen den Zeitgeist Schreitenden, sich von seinen grundlegenden, an einem humanen Menschenbild orientierten Prinzipien auch nicht durch Repressionen abbringen zu lassen.

Diese Geisteshaltung Barlachs einem totalitären Regime gegenüber wird auch nicht durch die infame Aktion „Entartete Kunst“ von 1937 gebrochen, in der über 670 Werke des Künstler aus öffentlichen Sammlungen und aus dem urbanen Raum entfernt und zum Teil vernichtet werden. Dennoch fragt sich der Künstler, ob sein Lebensweg richtig gewesen sei. Die spannungsreiche Gestalt des Zweiflers gibt in ihrer Körpersprache und geschlossenen Komposition eine eindeutige Antwort. Seinen Kampf wider den Ungeist als Fundament seiner Kunst wie seines ethischen Handelns formuliert er prägnant und spricht von den „unversöhnlichen Gegensätzen“ zweier Haltungen, „der Geistigen, und der andern, der Ungeistigen“ (1932).

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Text: V. P.

Das Originalexponat finden Sie hier:

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18273 Barlachstadt Güstrow

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"Idyllen und Katastrophen"
Aus dem Werk des Bildhauers Wolfgang Friedrich

14. Oktober 2017 bis 8. April 2018

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